Umsetzung der gemeinsamen Empfehlungen beginnt
RehaFutur: Entwicklungen gemeinsam gestalten
Berufliche Rehabilitation ist Teil des modernen Sozialstaats. Sie unterstützt Menschen mit Behinderungen in ihrem Streben nach dauerhafter Teilhabe in Arbeit und Gesellschaft. Aufgrund massiver Veränderungen in der Gesellschaft, insbesondere auch in der Arbeitswelt, steht die berufliche Rehabilitation heute vor neuen Herausforderungen. Zur Sicherung ihrer Zukunftsfähigkeit ist eine umfassende Weiterentwicklung notwendig.
Aus diesem Grund hat das Bundesministerium für Arbeit und Soziales (BMAS) 2007 die Initiative RehaFutur ins Leben gerufen mit dem Ziel, Ideen, Konzepte und Aktivitäten zu bündeln, die eine zukunftsorientierte, innovative berufliche Rehabilitation gewährleisten. Das Leitmotiv lautet „Entwicklungen gemeinsam gestalten". RehaFutur will damit zu einer inklusiven Gesellschaft beitragen, in der Bürgerinnen und Bürger mit Behinderungen selbstbestimmt nach eigenen Vorstellungen und Wünschen leben können.
Nach vier Jahren intensiven Austausches liegen seit Ende 2011 Vorschläge für rund zehn entscheidende Themenfelder vor. Für das Projekt RehaFutur beginnt damit 2012 eine ganz neue Phase: die Umsetzung in die Praxis. Was von Fachleuten aus dem gesamten Reha-System erarbeitet und auf einen breiten Konsens gestoßen ist, wurde von der RehaFutur-Lenkungsgruppe grundsätzlich positiv bewertet. Damit steht der Realisierung der gemeinsam erarbeiteten Empfehlungen nichts mehr im Weg, auch die ersten Prioritäten für den Umsetzungsprozess wurden inzwischen festgelegt.
Gemeinsam, analytisch und zukunftsorientiert. Mit diesen drei Begriffen lässt sich der Entwicklungsprozess in der beruflichen Rehabilitation, den das BMAS 2007 angestoßen hatte, vielleicht am treffendsten beschreiben. Auf Basis der Konzeption einer unabhängigen wissenschaftlichen Fachgruppe, erarbeiteten Reha-Experten in vier Arbeitskreisen Maßnahmen, die berufliche Rehabilitation fit für die Anforderungen der Zukunft machen sollen. Einig war man sich darin, dass eine wirksame Weiterentwicklung des Rehabilitationssystems neue Wege beschreiten muss. Ebenso fest stand auch, dass Instrumente zur besseren Information und Beratung der Leistungsberechtigten, aber auch der Unternehmen eine zentrale Rolle spielen. Je nach Blickrichtung ergaben sich bei aller Übereinstimmung unterschiedliche Ansätze zu erforderlichen Strukturen und Verantwortlichkeiten. Das zeigte insbesondere die Diskussion über die zukünftige Aufgabe und mögliche Ausgestaltung der Gemeinsamen Servicestellen. Am Ende der konzeptionellen Phase steht nun eine Vielzahl von fundierten Vorschlägen.
Die Schwerpunktthemen
Ganz oben stehen dabei die Verbesserung der Beratungsqualität, die Qualitätssicherung des Gesamtprozesses und die Kooperation aller Akteure mit Betrieben des ersten Arbeitsmarkts. „Die Vorschläge müssen innerhalb des Umsetzungsprozesses auf Machbarkeit überprüft und für die operative Ebene in ein Konzept gegossen werden", erläutert Prof. Dr. Hans-Peter Riedel, Leiter des Entwicklungsprojektes RehaFutur und Mitglied der Lenkungsgruppe. Eine Gemeinschaftsaufgabe aller beteiligten Institutionen, so die Lenkungsgruppe. Daher wurde vorgeschlagen, diese Aufgabe in verschiedenen Arbeitspaketen durch die Bundesarbeitsgemeinschaft für Rehabilitation (BAR) koordinieren zu lassen. Neben diesen Umsetzungsschwerpunkten stehen weitere Themen zum Transfer in die Praxis an.
Empowerment
Umsetzung von Empowerment (Ermächtigung) als Konzept zur Förderung von Selbstbestimmung und Selbstverantwortung: Empowerment beschreibt dabei einen Prozess zur Erreichung von Selbstbestimmung. Betroffene sollen zu Experten in eigener Sache werden.
Individualisierung im Gesamtprozess
Umsetzung von Individualisierung als Merkmal der Prozessqualität in allen Phasen des Rehabilitationsprozesses - bei Trägern und Erbringern gleichermaßen. Die Individualisierung fördert die Selbstbestimmung und Selbstverantwortung und wirkt somit ein auf das Rehabilitationsziel und auf die Qualität des Rehabilitationsprozesses.
Prävention
Flächendeckende Implementierung der Prävention in Betrieben unter Einbeziehung aller Beteiligten und mit sämtlichen Formen der Rehabilitation. Sicherstellung einer Vernetzung mit den Gemeinsamen Servicestellen: Hier sollten vorliegende Erfahrungen aus Modellprojekten wie „Gesunde Arbeit" flächendeckend umgesetzt werden.
Definition einheitlicher Kriterien
Einführung eines trägerübergreifenden Konzeptes zur Qualitätssicherung des Gesamtprozesses der beruflichen Rehabilitation: Dies erfordert die Definition und Entwicklung gemeinsamer Erfolgskriterien, gemeinsamer Standards sowie von Qualitätsmanagement- und Qualitätssicherungsinstrumenten.
Leitziel Beschäftigungsfähigkeit
Förderung der Beschäftigungsfähigkeit als Leitziel beruflicher Rehabilitation. Sie beinhaltet die fachlichen, sozialen, personalen und Gesundheitskompetenzen einer Person sowie die Befähigung zum selbstständigen Lernen im Lebenslauf und bezieht sich auch auf konkrete Tätigkeitsfelder in der Arbeitswelt. In diesem Zusammenhang wird u.a. auch die stärkere Fokussierung auf die Vorgehensweise „place and train" gefordert.
Kooperation und Vernetzung mit Betrieben
Netzwerke als offene und partizipative Form der Kooperation schaffen einen verbindlichen Rahmen und klare Regeln. Das Netzwerk führt verschiedene Akteure zusammen, die sich hinsichtlich ihrer Ziele wechselseitig ergänzen und z. B. gezielte Personalentwicklung und Qualifizierungsangebote ermöglichen.
Dialog der Sozialpartner
Eine Intensivierung des Dialogs der Sozialpartner kann die Entwicklung der beruflichen Rehabilitation in Richtung Vernetzung mit der Arbeitswelt nachhaltig unterstützen. Zum Beispiel können DGB und BDA im Austausch mit den Trägern zu Bedarfsgerechtigkeit der Leistungen beitragen.
Forschung
Unterstützung der Entwicklung der beruflichen Rehabilitation durch Wissenschaft und Forschung: Für den effektiven Einsatz von Forschungsmitteln zur Weiterentwicklung des Rehabilitationssystems werden Forschungsschwerpunkte definiert und ein Förderschwerpunkt vorgeschlagen, in dem verschiedene Förderer ihre Forschungsaktivitäten in einem definierten Zeitraum koordinieren. Hierzu wurden auch Strukturvorschläge erarbeitet. Alle Arbeitsgruppen benannten ganz konkrete Forschungsprojekte zur Unterstützung der Entwicklungsaktivitäten.
Langer Umsetzungsprozess
Die Themen liegen auf dem Tisch, die Umsetzung beginnt. Und zwar einmal mehr als gemeinsame Aufgabe. „Alle Akteure - Leitungsträger, Leistungserbringer, beteiligte Verbände und Sozialpartner - sind aufgefordert, sich initiativ zu beteiligen", sagt Richard Fischels, Unterabteilungsleiter im BMAS und Leiter von RehaFutur. Das Bundesministerium für Arbeit und Soziales werde die Veränderungs- und Innovationsbereitschaft der Beteiligten genau beobachten und den Umsetzungsprozess auch weiterhin unterstützen, so Fischels. Neben den praktischen Umsetzungsvorhaben vor Ort werde es daher auch künftig einen regelmäßigen Austausch und Workshops geben, um die Umsetzungsschritte zu überprüfen. Hierzu wird das BMAS als nächsten Schritt im Frühjahr 2013 einen Workshop zur Diskussion der Zwischenergebnisse ausrichten. Dass die Umsetzung nicht innerhalb kurzer Zeit erfolgen kann, ist allen Fachleuten klar. Erwartet wird eine Entwicklung über einen Zeitraum von 10 bis 15 Jahren, in dem alle bisherigen Prozesse und Strukturen überprüft und auf Dauer grundlegend verändert werden müssen. Aber dass dieser Prozess alternativlos ist, wissen die Experten ebenfalls. Da geht es dem System der beruflichen Rehabilitation nicht anders als Unternehmen und Produkten aus der Wirtschaft. Wer einmal Innovationsführer war und dann den nächsten Technologietrend verpasst, weil er statt in die Zukunft in den Bestand investiert, wird früher oder später den eigenen Vorsprung verlieren. Was dann aus Weltmarktführern werden kann, erlebt in diesem Jahr die Firma Kodak. Ganz entscheidend kommt es daher auch beim Umsetzungsprozess der RehaFutur-Ergebnisse in die Praxis darauf an, dass er flexibel bleibt und kontinuierlich betrieben wird. Gefragt ist ein offener Prozess, der viele neue Ideen zulässt und Innovationen fördert. Damit berufliche Rehabilitation immer wieder neu zu einem Leistungsangebot in Deutschland wird, das Menschen und Wirtschaft einen Mehrwert bietet.
Quellen: Rehavision, Sonderausgabe RehaFutur und www.rehafutur.de
In der Rehavision, Sonderausgabe RehaFutur, finden sich Hintergründe zur Entstehung der Initiative und Schwerpunkte der Umsetzung - von der Konzeption in die Praxis.
In einem Workshop zum Thema RehaFutur haben sich auf Einladung des BMAS in Potsdam alle Akteure - Leistungsträger, Sozialverbände, Arbeitgeber, Gewerkschaften, Leistungserbringer und Leistungsempfänger - mit den Wissenschaftlern getroffen. Über diese Veranstaltung berichtet die Frühjahrsausgabe 2010 der Rehavision ausführlich.
Die Herbst-Ausgabe 2009 der Rehavision berichtet über die von den Experten der Wissenschaftlichen Fachgruppe RehaFutur definierten Eckpunkte für eine zukunftsorientierte Gesamtkonzeption und über das von ihnen dazu zuvor beschriebene Leitbild.
Ausführliche Informationen über das Projekt finden Sie auf der Webseite von RehaFutur.


